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LYCO... Wie alles begann...
 
Mein ganzes Leben begleitet mich schon meine Liebe zu Tieren. Gassi gehen mit Hunden kannte und liebte ich ja, aber als dann 1999 endlich mein erster eigener Hund Einzug hielt, wurde alles anders… Nach reiflicher Überlegung, Vorbereitung und Lesen von diversen Fachbüchern fiel meine Entscheidung auf den Golden Retriever. Die Rasse sollte leicht erziehbar und für Anfänger sehr gut geeignet sein.

2011-11-21 dkb 26Lyco, mein Herzhund und Begleiter vom 19.11.1999 bis 11.03.2012 RIP, hatte die Rassebeschreibung wohl nicht so genau gelesen.
Denn was ich damals noch nicht wusste, dass Lyco trotz der Papiere nicht reinrassig war.
Innerhalb kürzester Zeit belehrte er mich eines Besseren. Übelkeit beim Autofahren, keine Lust alleine zu bleiben, mäkelig beim Fressen, Angst vor diversen Geräuschen, sensibel und doch gleichzeitig dickschädlig – kurzum ich hatte ein Problem! Obwohl ich mit Lyco von Anfang an in der Welpengruppe war, konnte mir dort keiner so recht weiterhelfen.

Ich lief von Hundeplatz zu Hundeplatz, doch überzeugen konnte mich keine der angebotenen Ausbildungsmethoden . Der Standard dort  war (und ist meistens leider immer noch) die Arbeit mit Leinenruck und Meidemotivation. Hauptsächlich über Kettenwürger oder Stachelhalsbänder. Den einzigen Versuch – der genau drei Minuten dauerte - Lyco mit Leinenruck zu erziehen, quittierte er mir mit drei Wochen absoluter Gehorsamsverweigerung. Mein Fazit lautete: Zwar wollte ich einen Hund der gehorcht, aber nicht um jeden Preis. Ein Hund der neben mir her schleicht und Angst vor mir hat, war mir als Preis eindeutig zu hoch. Mein Ziel war ein Hund der gerne mit mir arbeitet und Spaß dabei hat.

Im Alter von 9 Monaten wurde Lyco das Opfer einer Beißattacke eines polizeilich ausgebildeten Schäferhundes, der als Wachhund in Privathand lebte. Für den Schutzdienst war er zu scharf und unkontrollierbar. Dieser Schäferhund biss 5-Mark-Stück große Löcher in Lycos Bauch, obwohl Lyco mehrfach beschwichtigt und schließlich in absoluter Unterwerfung reglos auf dem Rücken lag.

Nach diesem Vorfall war Lyco nicht mehr derselbe. Sobald er einen anderen, größeren Hund auf uns zukommen sah, ging er vor lauter Angst vor in die Leine und bellte und knurrte wie wild. Lyco hatte gelernt – Angriff ist die beste Verteidigung, denn beschwichtigen oder gar unterwerfen war nutzlos.
Mit seinen damals schon 36 kg konnte ich ihn absolut nicht bändigen, so dass ich bald mit jedem Laternenpfosten „per Du“ war und vor Angst, einem anderen Hund zu begegnen, nur noch zu den unmöglichsten Tages- und Nachtzeiten spazieren ging.

Ich war felsenfest überzeugt, dass Lyco ein aggressiver Hund war und beschloss, dass es so nicht weitergehen konnte! Also meldete ich mich mit Lyco zum Rüdentraining in einer Hundeschule an, die zwar 100 km entfernt war, die aber vorgab mit sanften Methoden auszubilden. 10 Trainingsstunden und einige hundert Euro ärmer, hatte Lyco zwar den Hundeführerschein erfolgreich bestanden, aber an anderen Rüden ging er immer noch nicht problemlos vorüber. Im Gegenteil: Das durchgeführte Wasserspritzentraining (Wasserstrahl auf Lycos Ohr, sobald ein anderer Hund in Sicht kam und Lyco loslegen wollte) erschrak Lyco so sehr, dass es zwar einmal funktionierte, er aber nach kürzester Zeit nur noch schneller als bisher in der Leine hing. So schnell, dass ich keine Chance hatte, die Wasserspritze überhaupt zu ziehen...

Erst als ich auf dem Seminar von Turid Rugaas die Beschwichtigungssignale kennenlernte, verstand ich die Ursachen von Lycos Verhalten. Clarissa von Reinhardt, Hundetrainerin und Gründerin von Animal Learn, übte mit Lyco und mir in diesem Sinne die Rüdenbegegnungen.

Durch die großartigen Erfolge mit Lyco bestätigt, begann ich ein halbes Jahr später bei Animal Learn die Ausbildung zur professionellen Hundetrainerin. Das dort gelehrte, gewaltfreie Trainingskonzept gefiel mir sehr gut. Insbesondere auch deshalb, weil dabei immer im Vordergrund stand, eine vertrauensvolle Bindung zwischen dem Mensch und seinem Hund zu schaffen.

Obwohl Lyco auch danach noch mehrmals gebissen wurde und einen schweren Autounfall überstanden hat, ist er trotz dieser Schicksalsschläge immer ein toller Hund gewesen. Wir haben unsere Höhen und Tiefen zusammen gemeistert und ich konnte mir keinen besseren Hund vorstellen. Seine alten Probleme kamen immer seltener durch, und blieben schließlich ganz aus. Wir hatten gemeinsam gelernt damit klarzukommen.
Durch ihn lernte ich sehr viel über Hunde, ihr Wesen und Verhalten. Lyco war ein One in a Million Hund - etwas ganz Besonderes - einer unter Millionen... Durch seine Ausdauer und Dickschädligkeit hat er mich auf meinen Weg gebracht hat, dass ich überhaupt eine Ausbildung zur Hundetrainerin gemacht habe. Mein Dicker hat mir im Umgang mit wirklich aggressiven Hunden als mein Trainingsassistent immer gezeigt, wie groß die Gefahr tatsächlich ist . Und das größte Geschenk das er mir in diesem Zusammenhang bereitet hat, war nach unseren anfänglichen Startschwierigkeiten sein grenzenloses Vertrauen in mich in brenzligen Situationen. Lyco blieb immer souverän, gelassen und absolut ruhig - auch wenn das Training noch so schwierig war... Danke Lyco - für alles! Du wirst immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben...
 

Im Herbst 2004 hielt dann noch ein kleiner vierbeiniger Notfall bei uns Einzug.
Tasha war ein Groenendael-Mädel - das unser Leben vom 11.07.2004 bis 20.12.2017 bereichern durfte. Da sie und ihre Geschwister aus einer Fehlverpaarung stammten, die nicht angemeldet war, sollte der gesamte Wurf eingeschläfert werden. Der Wurf war zwar keine Inzucht-Verpaarung, aber welche Überraschung uns noch bevor stand ahnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Das Einzige was wir wussten war, dass die Kleine über die Prägephase hinaus war und sehr ängstlich auf Menschen reagierte.

Tasha hatte vor allem und jedem Angst. Draußen wurde jedes Blatt im Wind, Menschen oder Tiere gestellt und verbellt. Sie zeigte sich hyperaktiv, versuchte andere Hunde zu mobben und war zeitgleich ein absolutes Nervenbündel. Im Haus hingegen tendierte Tasha zur Flucht. Frei nach dem Motto „My Korb is my castle“. Besuch? Oje – Tasha war verschwunden. Als sie dann nach Monaten zum ersten Mal Freunde von uns begrüßte, war die Freude groß.

Als wir endlich dachten, dass Tasha die ersten Fortschritte macht, überraschte sie uns mit knapp einem Jahr mit der nächsten Katastrophe: Tasha bekam aus dem Nichts heraus Panikattacken und rannte unter sich pinkelnd durch die Wohnung. Ich zog erzieherisch alle Register – jedoch ohne Erfolg!
Erfahrene Kollegen die ich zu Rate zog, standen ebenso vor einem Rätsel.
Also wurde Tasha gesundheitlich einmal auf den Kopf gestellt: Wir untersuchten Sie auf HD und ED, die Augen, ließen ein großes Blutbild erstellen, überprüften die Schilddrüse, machten eine Hirn-CT und einen Epilepsie-Check – alles ohne Befund. Tasha war körperlich in Bestform.
Es wurde immer mysteriöser und wir mussten teilweise mit bis zu 20 Attacken am Tag leben. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir ernsthaft darüber nach, Tasha einschläfern zu lassen, da für sie so ein Leben in ständiger Angst nicht lebenswert ist.

Wie das Leben so spielt, hatte ich genau zu diesem Zeitpunkt mehrere Fortbildungen, unter anderem über Blüten-Therapie, Stress und über Ernährung. Natürlich wollten wir die hier gewonnen Kenntnisse bei Tasha als letzten Versuch ausprobieren. Und tatsächlich: Nach einer Ernährungsumstellung, Stress-Reduktion und der Gabe individueller Blütenmischungen gingen die Attacken zurück.

Wir schöpften neue Hoffnung und begannen nun mit einer homöopathischen Behandlung. Es war ein Versuch, ob Tasha homöopathische Hirnpräparate vielleicht noch weiter helfen könnten. Tatsächlich nahmen die Attacken noch weiter ab. Heute ist Tasha so eingestellt, dass die Attacken ausbleiben. Sie lebt immer mehr auf, lernt leichter und hat wieder Freude am Leben.

Es scheint so, dass sich bei mir der Spruch bewahrheitet, dass jeder den Hund bekommt, den er braucht um weiterzukommen. Durch Tasha habe ich nun noch eine 18 monatige Fortbildung bei der International Dog Training School absolviert. Der ganzheitliche Ansatz der englischen und skandinavischern Lehrer und das Aufzeigen der engen Zusammenhänge von Verhaltensproblemen, Stress, Ernährung und Gesundheit ist hier Hauptbestandteil der Ausbildung. Danke Tasha, dass ich durch Dich weiterlernen durfte, was Lyco bereits erfolgreich begonnen hatte!

Unerwartet, und plötzlich mussten wir Tasha dann kurz vor Weihnachten 2017 über die Regenbogenbrücke gehen lassen… Noch am Sonntag rannte unsere fast 14jährige alte Lady mit meiner Tochter den Schlittenhügel runter. Trotz aller Zipperlein wie Herzproblemen, Spondylosen, schleifender Hinterbeine etc. Sie strotzte noch voller Lebensfreude.

Nur 2 Tage später hatte Tasha einen schweren Schlag- und Epi-Anfall bei dem sie sich ihr Vorderbein mehrfach kompliziert gebrochen hat. Tierarzt und Tierklinik teilten mir mit, dass aufgrund ihrer ganzen Vorerkrankungen, dem Verdacht auf Knochenkrebs und der Schwere der Knochenbrüche keine Heilungsaussichten bestehen… Der Schock saß tief – und schweren Herzens musste ich meine Süsse auf Ihrem letzten Weg begleiten… Tasha durfte sich noch von all Ihren Lieben verabschieden…

Danke Tasha – dass Du mich so viel über Hunde mit besonderen Ansprüchen gelehrt hast. Mir gezeigt hast, dass es sich immer lohnt ganzheitliche Wege zu suchen und auch zu gehen, die es davor noch nicht gab. Du hast es tausendfach bewiesen – und warst die weltbeste Nanny die sich meine Tochter wünschen konnte. Danke für alles… Die Spuren die Du in unseren Herzen hinterlassen hast, werden nie verwehen und wir werden Dich nie vergessen!




Die Jahre vergehen – Lyco ist nun seit Anfang 2012 im Hundehimmel und Tasha seit Ende 2017, so dass es Zeit wurde über einen würdigen Nachfolger für Lyco nachzudenken.

Aufgrund von Lycos Herdenschutzhund-Anteil war ich von dieser Art von Hunden absolut fasziniert. Ihre Eigenständigkeit, das Selbstbewusstsein und dabei doch diese Sensibilität – kurzum ich hatte mich mit dem Herdenschutzhund-Virus infiziert. Ich war neugierig geworden wie viel Anteil bei Lyco Herdenschutzhund war und wieviel doch der Goldie durchgeschlagen hatte.

Ende 2012 war es dann soweit, dass die Planung immer konkreter wurde. Da meine kleine Tochter zu diesem Zeitpunkt erst 3 Jahre alt war, kam leider weder ein Notfall noch ein Secondhand-Hund in Frage. Das Risiko aufgrund der oft doch unbekannten Vergangenheit war mir bei dieser Konstellation einfach zu hoch…

Insofern war im Dezember 2012 nach langer Internetrecherche über die Rassen ein Besuch auf der Hundeaustellung angesagt um mit einigen Züchtern zu sprechen. Der Slovensky Cuvac hatte es mir angetan und nach einem ersten Gespräch mit der Zuchtwartin dieser Rasse war klar – es sollte ein Welpe aus ihrer Zucht werden.

Wir hatten bereits im Vorfeld Codys Mama kennengelernt und konnten von Anfang an alles mitverfolgen. Cody erblickte dann am 31.03.2013 als „Orell von der Stockacher Halde“ das Licht der Welt. Groß war die Freude, als er dann am 11.06.2013 endlich einziehen durfte.

Aus dem kleinen, quirligen Welpen der immer zu Streichen aufgelegt war, ist mittlerweile ein stattlicher Rüde geworden. Für einen Cuvac sehr zugänglich mit Menschen, ein Schatz mit meiner kleinen Tochter, ruhig im Haus und draußen dennoch lebhaft. Ein wirklich würdiger Nachfolger für Lyco – und Cody teilt - witzigerweise ein paar Hobbys mit seinem Vorgänger…

Dem Wort Herden-Schutz-Hund oder kurz HSH - hat Cody eine neue Bedeutung gegeben - nämlich Herden-Schoss-Hund :-) Er ist der absolute Ober-Schmuser und er liebt es zu Apportieren, was ja nicht wirklich Herdi-typisch ist. Immer noch zu Blödsinn aufgelegt, wie etwa dem Nachmaulen wenn er etwas blöd findet oder es ihm zu lange dauert, schafft er es mit seinem stürmischen Charme alle um die Pfote zu wickeln. Und doch weiß er auch wann es gilt zu zeigen, was ein richtiger Herdenschutzhund ist, indem er zuverlässig all seine Lieben, sowie ihr Hab und Gut beschützt.

Lassen wir uns überraschen, was die hoffentlich noch langen Jahre mit unserem Quatsch-Bär noch bringen.

Bilder: C. Beiler